Perdita Klimeck *1961

Lyrik darf nicht im Netz verschwinden


"Worte sind für mich wie Pusteblumensamen.

Sie sind einfach da, irgendwo in der Luft, auf dem Asphalt,

in Einkaufspassagen und unter Parkbänken.

Ich suche sie nicht, aber aus irgendeinem,

mir völlig unerklärlichen Grund, finden sie mich. Überall.

Sie krallen sich an mir fest und werden dann wieder fortgeweht.

Mir ist dann so, als hätte es sie nie gegeben.

Manche bleiben ein wenig länger. Ich jongliere dann mit ihnen

und freue mich, wenn sie in der Sonne aufblitzen,

oder wenn Nebel sie in diffuses Licht taucht.

Diese Worte fange ich behutsam ein und gebe ihnen den Rahmen,

den sie verdient haben. Farben habe ich reichlich.

So glänzt schon mal ein Rahmen in Zartrosa,

während ein anderer in Grün daherkommt.

Aber da sind auch die, die unter meine Haut kriechen.

An mir wachsen, in mir wachsen.

Die, die mein Wasser trinken, oftmals grau gefärbt. Oder dunkelrot.

Auch hier fertige ich Rahmen an. Weniger glänzend, weniger schön.

Aber intensiv gefärbt, mit jenen Farben, die mir in dunkleren Momenten zur Verfügung stehen."