Frank Seidel

 

Frank Seidel *1972

Das Lyrische endet …
klassisch im Reim,

progressiv vor der Lineatur und – sinnbeladen – in der Nachbetrachtung

"Manchmal überrennen mich die Worte. Sie stürzen mitten in der Nacht über mich herein,

krallen sich fest, beißen und toben bis ich einen Platz für sie gefunden habe.

Nicht immer geben sie sich damit zufrieden, tauschen ungefragt ihre Position,

verschwinden auf Nimmerwiedersehen oder schieben sich fett in den Vordergrund.

Sie spielen mit mir und geben erst Ruhe, wenn ich zum Mitspieler werde.

Die Ordnung mitten in ihrem scheinbaren Durcheinander, der Gedanke hinter dem Gedanken,

abgelegte Emotionen, die Melodie im Klang der Worte –

ich liebe unsere Sprache und all die Möglichkeiten, die sie uns bietet.

Worte sagen sich so leicht dahin und wiegen doch – durchdacht – so schwer.

Ich benötigte einige Jahre, um im geschriebenen Wort mehr als seinen Inhalt zu entdecken.

Gelegentlich vergessen sie mich. Wir kommen gut ohne einander zurecht,

doch irgendwann klopfen sie wieder forsch an die Tür, die mitten hineinführt in meine Gedankenwelt."