Eine kleine Sammlung meiner FENSTERGEDICHTE
Gefühltes quer durch den Alltag und die Jahreszeiten

 

 

Bild aus der Reihe "puppets" mit freundlicher Genehmigung von Gerhard Bukowski

 

 

Morgengenuss

 

Welch ein Genuss ist dieser Morgen,

im Schlaf liegt noch die halbe Stadt.

In meiner Zeder zwitschert´s  fröhlich,

der Himmel blau und Sonne satt.

Der Kaffee duftet aus der Küche,

ein Brötchen liegt für mich bereit.

Das alles streichelt meine Seele,

das Herz, es öffnet sich ganz weit.

Fühl wie die Glückshormone tanzen,

halt mein Gesicht ins Sonnenlicht.

Und selbst das Brummen einer Fliege,

das stört mich heute wirklich nicht.

So herrlich kann es sein das Leben,

genießt man nur den Augenblick.

Und steckt die Sorgen, die uns plagen,

ganz tief ins Innere zurück.

 

 

 

Sonn(en)tag

 

Steh hier, am geöffneten Fenster

und atme sie ein,

die weiche Luft des Sonnentages.

Sanft kitzeln mich die Strahlen

der runden Scheibe

und entlocken mir ein leichtes Niesen.

 

Flirrend spiegelt sich das Licht

in sonntäglich geputzten

Autofenstern.

In der Ferne sattes Dröhnen

einiger Motorräder.

 

Kinderlachen schwingt sich

zu mir hinauf

Und aus der Wohnung von gegenüber

ertönt der dumpfe Bass

froher Jugend.

 

Friedlich liegt die Welt

zu meinen Füßen

Und ich genieße die Zeit,

im Bewusstsein,

ich bin ein Teil von ihr.

 

Und hoch über den Dächern

zieht ein Reiher seine Kreise.

 

 

Scheibenrund

 

Ein wundervolles Scheibenrund,

dass sicherlich ein jeder kennt,

das sehe ich vom Fenster aus,

durchscheinend ist´s wie Pergament.

 

Das liegt an feinen Wolkenschleiern,

sie liegen zart auf dem Gesicht.

Sanft eingebettet in das Grau,

sieht man die Strahlen nicht.

 

So kann ich sie betrachten,

und find es wunderschön.

Kann ohne diesen Strahlenkranz

das Rund der Sonne seh´n.

 

Die Scheibe ist vollkommen,

ja,  geradezu perfekt.

doch sieht man ihre Schönheit erst,

wenn sie wie heut bedeckt.

 

So langsam lösen sich die Schleier,

es bildet sich ein Kranz aus Licht.

Er blendet meine Augen,

und nimmt mir nun die Sicht.

 

Der Himmel,  er wird blauer,

die Sonne hat´s geschafft.

Sie zwinkert mir von oben zu,

und strahlt mit ganzer Kraft.

 

 

VERGEUDET

 

Angegrautes,

hundertfach Gewaschenes,

sammelt sich zu einem Wortbrei

der sang und klanglos

Klumpen bildet.

Bleischwer tragen sich die Lider

mit dem Gedanken ," off " zugehen.

Am offenen Fenster steht die Zeit

und wartet auf den Gnadenstoß.

Sinnnlos,  wie mir scheint

ist sie doch längst gefallen.

 

 

Samstag Morgen in Euskirchen

 

Rasenmäher dringt ans Ohr,

Augen blicken noch kein Licht.

Samstagmorgen in Euskirchen,

müde Glieder strecken sich

 

In der Ferne bellt ein Hund,

Vogelzwitschern in der Tanne.

Und dazwischen schimpfen Spatzen,

meiner Meinung, volle Kanne.

 

Traumbeseelt dreh ich mich um,

keine Lust um wach zu werden.

Denk mir,  dass der schönste Platz

das warme Bett wohl ist auf Erden.

 

Langsam sammeln sich Gedanken,

immer klarer wird der Geist.

Durch die Tür dringt Kaffeeduft,

und ich weiß, was das nun heißt.

 

Liebe Mama, steh doch auf,

es ist längst schon heller Tag.

Und du weißt, dass ich mein Frühstück

nicht alleine essen mag.

 

Also rappelt Mama sich,

vertreibt den Rest der Müdigkeit.

Katzenwäsche, Morgenmantel,

denn wir sind ja nur zu zweit.

 

Brötchen, Honig, schwarzer Kaffee,

auf gedecktem Tische steh´n.

Fenster ist ganz weit geöffnet,

blauer Himmel ist zu sehn.

 

Wir zwei quatschen um die Wette,

null und nichtig alle Sorgen.

Und ich dank aus vollem Herzen,

Gott, für diesen Samstagmorgen.

 

 

Am Fenster ( frisch geputzt )

 

Der Herbst zeigt heute sein Gesicht,

von seiner allerschönsten Seite.

Das Blau des Himmels ein Gedicht,

es zieht mich magisch in die Weite.

Wohin der Weg führt, weiß ich nicht.

Ich lass mich einfach treiben.

 

Mir ist heut nicht nach einem Ziel,

drum lass ich die Gedanken wandern.

Werf Ballast ab, der mir zu viel

und fahr  von einem Fleck zum andern.

Genieß das kleine Zwischenspiel,

durch frisch geputzte Scheiben.

 

Der Himmel ist mir heute Hort

ich brauche keine engen Räume.

Er weist die Richtung, lenkt das Wort

und schenkt mir seine blauen Träume.

Die Seele ist ein freier Ort,

so könnt es ewig bleiben.

 

 

Weichgespült (Am Fenster )

 

Die Nacht ist längst

dem Tag gewichen

und in die Partitur,

die wohlgestimmt

aus meiner Zeder  tönt,

mischt sich als Dissonanz

der Bremston  eines Busses.

 

Von der Terrasse nebenan

weht Kaffeeduft

und streichelt meine Seele.

Sinnend lausche ich

dem Gartenzaungeplauder

und das Idyll

der Wäschestücke

auf den Leinen,

stimmt mich so weichgespült.

 

Noch küsst die Frische

dieses Morgens

meine Lungen,

doch ahn ich schon

 die Schwere

und sauge tief

die Leichtigkeit,

bevor der Tag

sich bleiern

auf die Dächer legt.

 

 

 

Advent ( Am Fenster )

 

Gezuckert liegt die Stadt zu meinen Füßen.

Ein Blick nach rechts, die Felder sind in weiß getaucht.

Ein helles Tuch, so rein als wär´s noch nie gebraucht.

Die Glocken von St. Martin lassen grüßen.

 

Aus manchen Dächern quillen graue Fahnen.

Sie weben einen Reigen der von Wärme zeugt,

der sich erhebt und trotzt und nicht der Kälte beugt.

Die Menschlichkeit darin lässt sich erahnen.

 

Ich steh am Fenster, denke an Sonette,

an Thesen , Antithesen und Terzette.

An Schein und Wirklichkeit und an die Quintessenzen.

 

An das was war, was kommen mag im Leben,

an die, die ihre Träume aufgegeben.

Und bin wie meine Stadt, hab Mauern und auch Grenzen.

 

 

Flüstertöne

 

Auf allen Dächern liegt ein Schweigen,

die Stadt ruht sanft vor meinen Füßen.

Sie will noch nicht den Tag begrüßen,

sich nicht dem Lärm entgegen neigen.

Nur die Laterne hält ein Zwiegespräch

und flüstert  schwankend mit dem Wind.

 

Der Winter naht, ich kann ihn spüren,

sein Atem streift schon durch die Gassen.

Dort wird er Boten hinterlassen,

die uns durch dunkle Tage führen.

Auf Scheiben blühen Blumen aus Kristall

und flüstern zärtlich mit dem Wind.

 

Der Horizont zeigt sich noch träge,

als hätte er die Zeit vergessen,

und Licht sei noch nicht angemessen.

Vom Kirchturm höre ich sechs Schläge.

Ich steh am Fenster, vor mir dein Gesicht

und flüster traurig mit dem Wind.

 

 

An Tagen wie diesen...( am Fenster )

 

 

So blau der Himmel über mir,

verziert mit federzarten Strichen.

Die Sonne, gerade erst erschienen,

sie lässt das Weißgemisch am Horizont

in einem Farbenrausch erstrahlen,

der Seinesgleichen sucht.

 

Ein graues Band durchzieht das Weit.

Noch ist es fern, ich kann´s nicht deuten.

Dann hör ich über mir das Rauschen,

ein Ton aus hundertfachem Flügelschlag.

Durchbrochen nur von rauen Schreien,

sie künden mir den Herbst.

 

Der Blick auf meine kleine Stadt,

auf all die Straßen und die Dächer,

die feingezeichnet vor mir liegen,

setzt in mir ungeahnte Sehnsucht frei.

Mich über diese Welt zu schwingen,

die heute so berührt.

 

Vielleicht nimmt mich ein Kranich mit,

trägt meine Wünsche in die Ferne.

Und so beseelt von den Gedanken,

bleib ich, ein Weilchen noch, am Fenster steh´n.

Die Kraniche sind längst verschwunden.

Mein Traum, lebt noch in mir.

 

 

Neumond (Am Fenster )

 

Der Himmel heut Abend, ein Funkelfeld.

Die Sterne  scharen sich um den Mond,

der zwischen ihnen unsichtbar thront

und Freiheit genießt,  am Himmelszelt.

 

Schweigt sich durch die Nacht, ganz ohne Gesicht.

Verkehrt sein Leuchten ins Gegenteil,

sucht eher wohl im Dunkel sein Heil,

als wüsst´ er, dass nichts dagegen spricht.

 

Er unterwirft sich dem Wandel der Zeit.

Befiehlt trotz allem dem Sternenheer

und taucht kopfüber ins Funkelmeer.

Er weiß der Morgen ist nicht sehr weit.

 

So übt sich der Mond in stiller Geduld.

Fordert die Sterne zum Himmelstanz,

ergötzt sich heut Nacht an ihrem Glanz

und sie erweisen ihm ihre Huld.

 

 

Späte Einsicht

 

Ich hatte einst ein Blümchen

auf meinem Fensterbrett.

Das lockte an ein Bienchen,

das fand ich gar nicht nett.

 

Es wollte so gern bleiben,

doch ich sah keinen Grund.

So tat ich es vertreiben,

für sie war´s ungesund.

 

Es flog in lichte Höhen,

ich spürte ihre Not.

Kann man´s auch nicht verstehen,

ich schlug sie trotzdem tot.

 

Nun starr ich auf das Blümchen

auf meinem Fensterbrett.

Und auf das tote Bienchen

ich weiß, das war nicht nett.

 

 

 

 

Mein Freund der Baum ist tot...

sang einst "ALEXANDRA"

Auch ich hatte so einen Freund, der mich über drei Jahre lang tagtäglich begleitete

und mich zu vielen Gedichten und gereimten Allerlei inspirierte.

Mein Freund, die Zeder, stand bis zum 13.10.2010 vor dem Haus in dem ich wohne.

Wie alt dieser Baum war, kann ich nicht sagen, aber er überragte das 3-stöckige Haus um mehrere Meter.

Meine Fenster musste ich wegen ihm zwar dauernd putzen, doch dafür verwöhnte mich

die Geräuschkulisse im Baum so manchen Tag mit wunderbaren Melodien.

Sie musste gefällt werden, da nach dem letzten Orkan zwei Äste brachen

und auf eine Bushaltestelle fielen.

Die folgenden Seiten sind meiner Zeder gewidmet.

 

Nachruf ( Die Zeder )

 

Mein treuer Freund, er ist nicht mehr

und mir, mir ist das Herz so schwer.

 

Drei lange Jahre warst du mein Begleiter.

Hast stets, wenn ich am Fenster stand, mein Herz berührt.

Hast morgens mich begrüßt , nachts in den Schlaf geführt.

Ich dachte wirklich, so geht´s immer weiter.

 

Mit dir, da konnt ich meine Sorgen teilen.

Und du mein Freund, du hast mir immer zugehört.

Hab oft geweint, doch niemals hat es dich gestört.

Warst Muse mir, für viele meiner Zeilen.

 

Warst der Kalender für die Jahreszeiten.

 Egal in welches Kleid dich die Natur gesteckt,

hast jeden Tag voll Stolz die Äste ausgestreckt

und wusstest nichts, von Neid und Eitelkeiten.

 

Hast jedem schweren Sturme standgehalten.

Wie oft hab ich schon schlaflos nachts dem Tun gelauscht.

Hab´s gern gemocht, wenn Regen durch´s Geäst gerauscht.

Leicht war´s den Alltag dabei auszuschalten.

 

Der Mensch hat dich dem Tode übergeben,

brach deine Zweige, hat dich einfach ausgemerzt.

Und jeder Schlag, mein Freund, hat mich zutiefst geschmerzt.

Du bist nicht mehr, man nahm dir heut das Leben.

 

Wer wird mich Samstagsmorgen inspirieren.

Was ist, wenn niemals wieder eine Biene summt,

die Spatzen nicht mehr streiten, keine Hummel brummt.

Wo werden jetzt die Amseln tirilieren?

 

Mein Freund, die Zeder ist nicht mehr,

und mir, mir ist das Herz so schwer.

 

 

Zickenkrieg in der Zeder

 

Heute morgen war´s um achte,

als die Sonne noch nicht lachte,

in einen Spatz verliebte sich,

ein schmucker Prinz, ein Täuberich.

 

Er warb um sie, Gurruu, Gurruu,

die Spatzendame hörte zu.

Nicht nur sie, bald wusste jeder,

Liebesreigen in der Zeder.

 

Es wurd` gezirpt, laut tiriliert,

ob dieser Bindung schwadroniert.

Madam dé Spatz hielt sich bedeckt,

das Köpfchen in die Höh´ gereckt.

 

Vor dem Gurruu, war ihr nicht bang,

ihr schmeichelte  der Lobgesang,

Er war kein Spatz, kein Kunz, kein Hinz,

es warb um sie, ein echter Prinz.

 

Ein einz´ges Mal Prinzessin sein,

so dachte sie, das wäre fein.

Ich hätte dann ein gold´nes Nest

und königlich wär´s Hochzeitsfest.

 

Der schmucke Prinz, der Täuberich,

warf weiter mit Gurruu um sich.

Und mittlerweile wurde klar,

wie neidisch nun Frau Amsel war.

 

Es wurde auch Miss Drossel warm,

gern läg sie in des Prinzen Arm,

schmückte sich mit blauer Feder.

Zickenkrieg gab´s in der Zeder.

 

Doch so sehr man jetzt auch tobte

und sich in den Himmel lobte,

 Gurruu, gurruu, galt einzig ihr,

der kleinen Spatzendame hier.

 

Madam dé Spatz erbarmte sich

gab Antwort ihrem Täuberich.

Rang ein Tschilp-Ja aus der Kehle,

dass er sich nicht länger quäle.

 

Das kam ihm nun doch seltsam vor,

klang gar nicht lieb in seinem Ohr.

Er machte seine Klappe zu,

und aus war´s mit Gurruu, Gurruu.

 

 

Verließ die Zeder ohne Hast,

zurück blieb nur ein leerer Ast.

Und die Moral von der Geschicht,

ohn´ Gleichklang funktioniert es nicht.

 

 

 

 

Am Fenster Juli 2013

 

Noch ist es still in meiner Stadt

Fernwehgestreift, das blaue Land

Ich trink mich an der Sonne satt

Die ihren Platz gefunden hat

Und träume mich auf weißen Sand

Vor mir ein schaumgekröntes Band

Weit hinter mir liegt meine Stadt